Fragen und Antworten zum Schmierstoff (SHELL)

Quelle: KTM-CLUB News

Fragen und Antworten zum Schmierstoff (SHELL)

Welche Aufgaben haben Schmierstoffe zu erfüllen?
Sie sollen Reibung und Verschleiß gleitender oder sich drehender Maschinenteile vermindern und vor Korrosion schützen, sie sollen außerdem kühlen, konservieren, abdichten, den Motor sauberhalten, den Verbrauch reduzieren und die Leistung erhöhen.

Was versteht man unter synthetischen Ölen?
Die Moleküle synthetischer Öle werden aus Kohlenwasserstoff oder anderen Verbindungen künstlich aufgebaut. Ausgangsprodukt ist dabei üblicherweise Erdöl.

Welche Eigenschaften haben synthetische Öle?
Ein sehr gutes Viskositäts-Temperaturverhalten, d.h. sozusagen eine eingebaute Mehrbereichscharakteristik. Dadurch lässt sich eine sehr gute Scherstabilität erreichen. Außerdem sind sie sehrtemperaturfest und auch bei Kälte sehr schmierfähig.

Was versteht man unter Viskosität?
Sie ist das Maß für die Zähflüssigkeit eines Öles.

Wodurch verändert sich die Viskosität eines Öles?
Durch Temperaturschwankungen (warm = dünnflüssig / kalt = dickflüssig), aber auch durch Scherung und Kraftstoffeintrag (dünnflüssig) oder Alterung und Eintrag von Verbrennungsruß (dickflüssig).

Auf welche Weise kann man Schmieröle besonderen Anforderungen anpassen?
Durch den Zusatz von Additiven (bis zu 25% bei Hochleistungsölen sind Additive).

Was bedeutet "SAE" bei der Einteilung der Viskositätsbereiche (z.B. SAE 15W-40)?
SAE ist die Abkürzung für "Society of Automotive Engineers" (Vereinigung der Automobilingenieure/USA).

Was bedeutet das Kürzel "HD" bei der Bezeichnung eines Öls?
quot;Heavy Duty" - für schwerste Beanspruchung (üblich bei Lkw-Dieselmotorenölen).

Kann man Lkw-Öle in Motorrädern einsetzen?
Die allermeisten nicht. Bestimmte Additive, die ein Lkw-Motor benötigt, führen in Ottomotoren zu Glühzündungen und so u.U. zu Motorschäden.

Wodurch wird Motoröl in seiner Leistung beeinträchtigt?
Durch Alter, Staub, Metallabrieb, schlechten Kraftstoff, Verbrennungsrückstände und Wasser, aber auch durch zu niedrige oder zu hohe Öltemperaturen.

Welche Viskositätsspannen sind bei modernen Motorradmotoren zu erwarten?
Etwa 5W-30 bis 20W-50. Aufgrund abnehmender Scherstabilität ist eine zu große Viskositätsspreizung (z.B. 0W-60) zu vermeiden.

Wie erreicht man Mehrbereichcharakteristik von Motorenölen?
a)
Durch Einsatz von Ölen mit hohem natürlichem Viskositätsindex, z.B. Synthetikölen oder
b)
durch Einsatz von Viskositätsindexverbesserern oder
c)
durch Kombination von a) und b).

Was sind Viskositätsindexverbesserer?
Sehr große Moleküle, die die Mehrbereichseigenschaften eines Öles bei hohen Temperaturen verbessern. Nachteile: Sie verlieren durch Scherung an Wirksamkeit (Öl wird dünner) und führen zu Verschmutzungen, insbesondere am Kolben.

Kann man Mineralöl und synthetisches Öl mischen?
Ja. Das ist heutzutage problemlos.

Kann ein lange mit Synthetiköl betriebener Motor problemlos auf Mineralöl umgestellt werden?
Ja. Man darf aber nicht automatisch die gleiche Leistungsfähigkeit des Öles erwarten, auch nicht vom Additivpaket, das bei synthetischen Ölen meist leistungsfähiger ausgelegt ist.

Kann ein lange mit Mineralöl betriebener Motor problemlos auf Synthetiköl umgestellt werden?
Prinzipiell ja, wenn auch Verschleiß nicht rückgängig gemacht werden kann. Durch die Verwendung von Synthetiköl wird ein solcher Motor meist deutlich von Verbrennungsrückständen - insbesondere an den Kolben - gereinigt, was kurzzeitig zu einem höheren Ölverbrauch führen kann, der sich dann jedoch wieder stabilisiert, sofern der Motor technisch einwandfrei ist.

Kann es am Öl liegen, wenn ein Zweitakter Öl aus dem stark verkohlten Auspuff wirft?
Ja. Oftmals ist jedoch eine zu reich dosierte Einstellung der Ölpumpe verantwortlich, was die Werkstatt überprüfen kann. Gegebenenfalls auf bessere Ölqualität umsteigen.

Welche Vorteile bringen OW-Öle in Motorrädern?
Keine. OW-Öle sind beispielsweise bei allen japanischen Modellen nicht zugelassen, da es zu Getriebeverschleiß kommen kann. Außerdem ist bei Nasskupplungen mit Kupplungsrutschen zu rechnen, da sie zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauches in Pkw-Motoren meistens Reibwertminderer enthalten.

Kann man ein Motorradöl auch im Pkw-Motor benutzen?
Motorradöl im Automotor: Ja, wenn die vorgeschriebene Spezifikation stimmt, Pkw-Öl im Motorradmotor: Nicht generell. Motorrad-Öle sind meist deutlich scherstabiler (wg. Integriertem Getriebe) und thermisch stabiler ausgelegt, dafür aber weniger für extremen Winterbetrieb geeignet.

Ist synthetisches Öl ungünstig für Nasskupplungen?
Nein. Lediglich die Verwendung von Pkw-Synthetikölen kann zu Kupplungs-Problemen führen, da dort oft reibungsmindernde Additive eingesetzt werden.

Welche Vorteile hat Rizinusöl?
In Zweitaktern hat Rizinusöl die denkbar besten Schmiereigenschaften. Allerdings ist der Motor oft schon nach einem Rennen verschmutzt und muss gereinigt werden. Bei Viertaktern wird Rizinusöl nur dann verwendet, wenn Methanol-Kraftstoff eingesetzt wird (z.B. Speedway).

Muss Rizinusöl in einem höheren Verhältnis gemischt werden als synthetisches 2-Takt-Rennöl?
Üblicherweise ja (z.B. im Kartsport 16:1).

Bringen Rennöle grundsätzlich eine Leistungssteigerung?
Nicht unbedingt. Rennöle können auch auf maximale Haltbarkeit ausgelegt sein, z.B. für Endurance-Rennen.

Ist bei hohen Beanspruchungen eines 2-Takt-Motors ein besonderes Mischungsverhältnis nötig?
Üblicherweise ist das nicht nötig. Im Zweifelsfall kann man aber etwas mehr Öl beigeben.

Muß qualitativ hochwertiges Öl seltener gewechselt werden?
Eigentlich ja, doch werden die Wechselintervalle von den Motorenherstellern verbindlich vorgegeben.

Was spricht gegen den Einsatz billigen Öls, wenn man es dafür häufiger wechselt?
Billiges Öl kann von vornherein überfordert sein und zu Verschleiß und Verschmutzung führen.

Kann man mit Rennölen eine Steigerung der Oktanzahl erreichen?
Im Zweitaktbereich theoretisch ja, jedoch selbst bei hoher Öldosierung kaum nennenswert und obendrein verboten.

Braucht ein Motorrad mit separatem Getriebe und Trockenkupplung ein spezielles Motorradöl?
Aufgrund der besseren thermischen Stabilität ist der Gebrauch eines synthetischen Motorradöles anzuraten.

Wie hoch darf die Öltemperatur ansteigen?
Die üblicherweise im Ölsumpf gemessenen Temperaturen sind nicht ausschlaggebend. Die höchsten Temperaturen entstehen am Kolben (1. Ringnut) und können bis zu 300 Grad Celsius betragen. Wann ein Motor aufgibt, ist sehr unterschiedlich. Einige vertragen Ölsumpftemperaturen von 160 Grad Celsius, bei anderen sind 125 Grad Celsius bereits höchst bedenklich.

Kann man auch andere Viskositäten benutzen als die vorgeschriebenen?
Ja. Die Viskosität allein sagt nichts über die Qualität eines Öles aus.

Wie hoch liegen typische Metallgehalte in Gebrauchtölen?
Nach 5.000 km findet man bis zu 100 mg/kg Eisengehalt in einem Gebrauchtöl. Kupfer, Blei und Aluminium z.B. liegen viel niedriger.

Gibt es ein spezielles Öl für Motorrad-Oldtimer?
Faustregel: Moderne Spitzenöle sind für Motorrad-Oldtimer völlig ungeeignet und können zu Dichtungsunverträglichkeiten führen. Empfehlung: Dicke Einbereichsöle mit niedriger Additivierung verwenden.

Wie entstehen Emulsionen in der Kurbelgehäuseentlüftung?
Durch Auskondensieren von Ölnebel und Wasser. Die Emulsionen verschwinden, wenn der Motor richtig warmgefahren wird bzw. die Außentemperaturen steigen. Geringe Mengen sind völlig harmlos.

Kann ein Motorrad durch schlechtes oder falsches Öl an Leistung verlieren?
Ja: 1. durch Verschleiß, 2. durch zu hohe Viskosität (zu dickflüssig), 3. durch mangelnden Kraftschluß an der Nasskupplung (Kupplungsrutschen durch Pkw-Öl).

Kann man, z.B. auf langen Touren im Ausland, einfach ein anderes Öl auffüllen?
Im Prinzip ja, idealerweise allerdings ein spezielles, nicht zu dünnes Motorradöl.

Gibt es Motoren, die nicht mit Synthetikölen betrieben werden sollten?
Ja, nämlich Oldtimer bzw. klassische Motorräder. Außerdem Motoren mit sehr hoher Laufleistung, die ausschließlich mit Mineralöl betrieben wurden und schon an erhöhtem Ölverbrauch leiden.

Welche besonderen Eigenschaften sollte ein Getriebeöl haben?
Sein Schmierfilm muss durch geeignete Additivierung besonders druckfest sein, es darf keinen Schaum bilden, muss Korrosion verhindern und wärmeableitend sowie gut dichtungsverträglich sein. Wichtig ist es, immer die Empfehlung des Herstellers zu beachten (z.B. API GL 4, wenn gefordert).

from:mfroitzh

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