Abgasanlage eines 2-Takters
Beim Öffnen des Auslasses wird eine positive Druckwelle
(rot) in das Auspuffsystem entlassen, welche sich mit Schallgeschwindigkeit
Richtung Diffusor bewegt. (Schallgeschwindigkeit ist hier etwas höher
als bei Normalbedingungen, da die Abgasen heißer sind). Beim Diffusor
wird ein Teil der Energie der positiven Druckwelle negativ reflektiert
(grün). Diese Unterdruckwelle beschleunigt die Entleerung des Zylinders
so stark, dass sogar frisches Gemisch in den Auspuff gelangt. Der Rest
der positiven Druckwelle wird beim Reflektor reflektiert, so dass sich
diese wieder in Richtung Auslass bewegt. Dort presst diese Welle das
frische Gemisch wieder zurück in den Zylinder, wo es komprimiert wird,
da die Überströmkanäle zu diesem Zeitpunkt schon wieder geschlossen
sind.

Die Expansionskammer (Auspuff-Birne) hat einen entscheidenden
Einfluss auf die Leistung und Charakteristik eines 2-Takt Motors. 1950
hatte Walter Kaaden der Firma MZ als erster gemerkt, dass man die Energie
der Schallwellen eines 2-Takters zur Leistungssteigerung einsetzen kann.
Die ersten 2-Takter hatten als Auspuff ein einfaches Rohr bestimmter
Länge. Die positive Druckwelle wurde am Ende des Rohres negativ reflektiert
und beschleunigte die Entleerung des Zylinders. Tuning damals: Das Auspuffrohr
wurde mit der Säge so lange gekürzt, bis der Motor bei der gewünschten
Drehzahl das maximale Drehmoment lieferte. Die nutzbare Leistung dieser
Motoren war aber sehr schmalbandig.
Später verbesserte man dieses Verhalten, indem man am Ende des Rohres
einen sich öffnenden Konus, einen sog. Diffusor anschweißte. Diese Renntüten
verbreiterten die negative Druckwelle so, dass sie am Auslass über einen
längeren Zeitraum wirksam war.
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-Steiler Konus: starke und kurze Saugwirkung
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-Flacher Konus: schwächere aber längere Saugwirkung
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-Länge des geraden Rohres: Zeitpunkt, wann Saugwirkung
einsetzt
Diese Saugwirkung wurde durch exponentiell ansteigende
Diffusoren so effektiv, dass Frischgas aus den Überströmkanälen durch
den Brennraum in den Auspuffkrümmer gesogen wurde. Als Walter Kaaden
dies mit einen Gegenkonus zu verhindern versuchte erkannte er sofort
das Potential dieses Prinzips, da dadurch zusätzlich ein Aufladungseffekt
erzielt wurde. Folgende Abmessungen beeinflussen nun die Charakteristik
und Drehzahlband eines 2-Takters:
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Länge vom Auslass bis Mitte Reflektor:
Zeit bis die reflektiert positive Welle den Auslass erreicht.
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Länge des geraden Rohres:
Zeitpunkt, wann Saugwirkung einsetzt
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Winkel und Länge des Diffusors:
Intensität und zeitlicher Verlauf der Saugwirkung
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Winkel und Länge des Reflektors:
Intensität und zeitlicher Verlauf der Druckwirkung
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Durchmesser und Länge des Endrohres (Dämpfer):
Staudruck in der Expansionskammer
Ein hoher Staudruck verbessert das Spiel der Wellen,
da in einem dichteren Medium mehr Energie übertragen werden kann. Aber
ein hoher Staudruck lässt aber den Motor heiss laufen, so dass ein Kompromiss
gefunden werden muss.
Modernen Auspuffanlagen sind weiter optimiert, die Reflektoren und Diffusoren
sind aus einer Vielzahl von Winkeln aufgebaut, so dass ein mehr oder
weniger kontinuierlicher Verlauf entsteht. Die Berechnung moderner Expanionsauspuffanlagen
ist heute weit entwickelt. Bei 500er Gp Maschinen ist die große Bedeutung
dieser Systeme gut ersichtlich, da bei der Konstruktion dieser Motorräder
einige konstruktive Kompromisse eingegangen werden, um die 4 gewaltigen
Auspuffbirnen unter zu bringen.
Die Zeitspanne des offenen Auslasses verändert sich mit der Drehzahl.
Dies bedeutet, dass das ganze Druckwellenspiel nur bei einer bestimmten
Drehzahl optimal funktioniert. Mit einer Auslasssteuerung moderner 2-Takter
erreicht man, dass diese Zeitspanne über einen grösseres Drehzahlband
konstant bleibt, indem man die Auslassoberkannte bei tieferen Drehzahlen
mit einem mechanischen System nach unten schiebt. Andere Auslasssteuerungen
arbeiten mit einem Helmholzresonator, welcher die Ausbreitung der Druckwellen
verzögert. Dieser Resonator wird bei tiefen Drehzahlen dazugeschaltet.
Beide Systeme können auch kombiniert werden. Auslasssteuerungen sollten
regelmäßig gewartet werden, da eine Funktionsstörung Folgeschäden nach
sich ziehen kann. Ein für hohe Drehzahlen eingestelltes Auslassventil
hat bei tiefen Drehzahlen zur Folge, dass die rücklaufende positive
Druckwelle zu früh beim Zylinder eintrifft und so heisse Verbrennungsgase
durch die Ueberströmkanäle ins Kurbelgehäuse gelangen, welche die Einlassmembranen
beschädigen können. Umgekehrt läuft der Motor bei hohen Drehzahlen zu
heiß.
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