Die Zündkerze

Obwohl die Zündkerzen der größten Belastung unterworfen sind, arbeiten sie im allgemeinen mit der größten Selbstverständlichkeit. Haben die Zündkerzen den richtigen „Wärmewert" und ist der Motor ansonsten in Ordnung, so hat man mit Zündaussetzern, die durch die Zündkerzen veranlaßt werden, nur selten zu rechnen.

Die Wärmewertskala ist eine ursprünglich von Bosch(?) willkürlich gewählte Zahlenreihe. Der Wärmewert ist also kein absoluter Maßstab wie z. B. „Meter" oder „Kilogramm", sondern nur ein Vergleichswert. Die von Bosch aufgestellte Wärmewertreihe reicht von 20 bis 500. Je höher der Wärmewert einer Zündkerze ist, um so größere thermische Belastungen hält sie im Motor aus, bevor Elektroden oder Isolator zu glühen beginnen und so eine unerwünschte, frühzeitige Entzündung des Kraftstoff-Luft-Gemischs einleiten. Je geringer der Wärmewert ist, um so weniger anfällig ist die Zündkerze gegen Verrußen oder Verölen. Eine Zündkerze, die gleichermaßen höchste thermische Belastungen wie Verschmutzungen aushält, gibt es nicht; diese gegensätzlichen Forderungen lassen sich nur in geringen Grenzen unter einen Hut bringen.

Die Widerstandsfähigkeit gegen Verrußen oder Verölen bzw. gegen thermische Belastung hat wenig mit dem Material zu tun, aus dem die Zündkerze gefertigt ist, sondern ergibt sich aus dem mechanischen Aufbau. Wenn die Zündkerze so konstruiert ist, daß der Isolator eine große freiliegende Oberfläche hat, kann sie viel Wärme aufnehmen und wenig abführen. Sie wird schon bei geringer Motorbelastung sehr heiß und der Ruß oder das öl verbrennt, man sagt: die Zündkerze „brennt sich frei"; sie hat ihre Selbstreinigungstemperatur erreicht.

Ist die Zündkerze so gebaut, daß der Isolator nur wenig freiliegt, wodurch er weniger Wärme aufnehmen kann, die aufgenommene Wärme aber schneller an den Stahlkörper abführen kann, so dauert es länger, bis die Selbstreinigungstemperatur erreicht wird; die Motorbelastung muß höher sein. Eine Zündkerze mit hohem Wärmewert, die in einem Hochleistungsmotor eingebaut ist, erreicht ihre Selbstreinigungstemperatur erst dann, wenn der Motor entsprechend scharf gefahren wird. Die Zündkerze wird hierbei aber noch nicht so heiß, daß Glühzündungen auftreten können. Wird dieser Motor nun im ausgesprochenen Bummelbetrieb gefahren, wobei er nur gering belastet wird, so bleibt die Zündkerze zu kühl und kann sich nicht freibrennen. Die Rußablagerung an dem Kerzenisolator ist ein - wenn auch schlechter - elektrischer Leiter, über den ein Teil der Zündspannung zur Masse fließen kann. Man bezeichnet das als „Nebenschluß". Bei starker Rußablagerung kann es zu Zündaussetzern kommen. Eine Kerze mit niedrigerem Wärmewert wäre jetzt richtig, denn diese brennt sich schon bei niedrigeren Temperaturen frei. Wird der Motor mit dieser Zündkerze aber scharf gefahren, so wird die Kerze zu heiß und es kommt zu Glühzündungen, wodurch der Motor überlastet wird. Der Wärmewert der Zündkerzen ist nicht nur von der Literleistung, sondern auch stark von der Einbaulage im Brennraum, der Brennraumgestaltung und den Kühlungsverhältnissen abhängig.

Das Kerzengesicht

Das Zündkerzengesicht gibt u. a. darüber Auskunft, ob der Wärmewert der Zündkerzen richtig gewählt ist, ob der Motor die richtige Betriebstemperatur erreicht, ob die Vergasereinstellung richtig ist, oder ob öl durch undichte Kolbenringe bzw. Ventilführungen in den Verbrennungsraum gelangt. Ob der Wärmewert der Zündkerzen Ihres Motors Ihrer Fahrweise entspricht, können Sie an dem Zündkerzengesicht erkennen, wenn Sie einige hundert Kilometer in dem Ihnen normalerweise entsprechenden Fahrbereich gefahren sind und den Motor sofort abstellen, ohne ihn zuerst noch lange im Leerlauf laufen zu lassen.

Im Allgemeinen gilt:.

Isolator der Kerze zeigt eine hellbraune Farbe oder pulvrige Niederschläge in hellgelblicher bis grauweißer Farbe, Stahlkörper der Kerze trägt einen leichten, mattschwarzen, trockenen oder hellgelblichen bis grau-weißen pulvrigen Niederschlag.

Zündkerze in Ordnung, Wärmewert richtig, Vergasereinstellung korrekt

Isolator trägt einen stärkeren, mattschwarzen Belag

Zündkerze wird im Betrieb nicht heiß genug (brennt sich nicht frei) = zu hoher Wärmewert, bzw. der Motor erhält durch zu fette Vergasereinstellung zuviel Kraftstoff.

 

Isolator ist silbrigweiß mit kleinen Schmelzperlen; glasähnlicher Belag an Isolator und Elektroden.

Zündkerze wird im Betrieb zu heiß = zu niedriger Wärmewert; evtl. zu magere Vergasereinstellung.

Glänzender, blauschwarzer gesinterter Belag (sieht ähnlich aus wie Email-Glasur der Kochtöpfe).

In der Motorhitze geschmolzene Verbleiung. Bei stärkerer Motorbelastung treten Zündaussetzer auf. Wärmewert der Kerze zu hoch. (Bei niedrigerem Wärmewert kann die Verbleiung verbrennen.) Kraftstoff mit Blei vermeiden, weil überflüssig und Umweltschädlich

Isolator, Elektroden und Stahlkörper sind ölig-schwarz.

Kommt selten vor. In diesem Fall gelangt meist zuviel Öl in den Brennvorgang, z.B. durch zuviel Öl im Benzin, versulzter Sprit usw.

Isolator, teilweise auch der Stahlkörper der Kerze und die Elektroden, tragen einen glänzenden, glasähnlichen gelbroten bis braunen Oberzug.

Kerze verbleit (Bleiverbindung aus dem Kraftstoffzusatz). Meist Wärmewert der Kerze zu niedrig. Kraftstoff mit Blei vermeiden, weil überflüssig und Umweltschädlich

Anmerkung: Meines wissens nützt der Bleizusatz im Benzin wenn überhaupt der Ventilführung im Viertaktmotor. Eine Leistungssteigerung durch Bleizusatz im Zweitaktmotor ist mir nicht bekannt.

Zündkerzen reinigen bzw. wechseln

Das Reinigen der Zündkerzen mit Stahl- oder Messingbürsten und Kratzen mit scharten Gegenständen hat keinen Reinigungswert, sondern schadet der Kerze.

Am besten wird die Kerze gar nicht gereinigt. Reinigen in Zündkerzenreinigungsgeräten, wobei ganz feine Glasperlen oder Sand gegen den Isolator und die Elektroden gestrahlt werden, ist gerade noch vertretbar, da die Rückstände anschließend ausgespült oder ausgeblasen werden. Vielfach liest man, daß die Zündkerzen nach 10000 km gewechselt werden sollen. Sofern der Motor keine Zündstörungen hat oder sich ein Nachlassen der Motorleistung bemerkbar macht, sollte man die Kerzen aber nicht einfach auswechseln. Auch bei Zündstörungen und nachlassender Motorleistung sollte man die Schuld nicht zuerst bei den Kerzen suchen, sondern den Motor und die Zündanlage prüfen. Die Kerzen halten meist wesentlich länger als 15000 km, doch muß evtl. der Elektrodenabstand wieder auf den richtigen Wert gebracht werden, da er im Laufe der Betriebszeit durch den Abbrand größer wird.

Wenn die Zündkerzen schon nach wesentlich weniger als 15000 km nicht mehr richtig arbeiten, dann haben sie meist einen falschen Wärmewert. Wird der Motor ständig hoch belastet, so versucht man es mit einem höheren Wärmewert, bei niedrig belastetem Motor mit einem niedrigeren Wärmewert. Ebenso habe ich gehört das gänige Praxis war den Roller mit entsprechend wärmerer Kerze auf den Winter vorzubereiten!

Nach rund 4000 km sollte man den Elektrodenabstand der Zündkerzen schon kontrollieren und gegebenenfalls auf den richtigen Wert 0,6 mm bringen. Hierfür gibt es Kontrollehren und Nachbiegewerkzeuge von den Zündkerzenherstellern. Mit der einfachen Fühlerblattlehre ist es in der Regel auch getan.

Die Zündkerzen sitzen mit ihrem Stahlkörper im Gewinde des Zylinderkopfes. Dieser ist aus Leichtmetall und besitzt leider keine Gewindebüchsen aus Stahl. Laufendes Heraus- und Hineinschrauben der Kerzen bekommt diesen Gewinden auf die Dauer nicht gut. Auf keinen Fall sollten die Zündkerzen bei heißem Motor hineingeschraubt und stark angezogen werden. Überhaupt sollte man die Zündkerzen beim Hineinschrauben so weit wie möglich mit dem Kerzenschlüssel ohne Stift hineindrehen. Nur das letzte Festziehen sollte man mit dem Kerzenschlüssel und Steckstift vornehmen. Schon das geringste Schief-ansetzen der Zündkerzengewinde kann das Gewinde im Leichtmetall-Zylinderkopf beschädigen und die dann erforderliche Reparatur oder der “Ersatz-”Zylinderdeckel ist nicht gerade billig.

Um die Leichtgängigkeit des Zündkerzengewindes zu verbessern, fettet man das Gewinde der Kerze und das Gewinde im Zylinderkopf mit etwas Molybdänsulfit-Paste (z. B. Molykote, Liqui-Moly) ein. Auf keinen Fall normales Fett oder Öl verwenden, da diese verbrennen und die Rückstände das Kerzengewinde noch schwergängiger machen.

Bei Verwendung derartigen Schmiermittel soll man die Kerzen nicht ganz so stark anziehen wie sonst. Durch das Schmiermittel dreht sich das Gewinde leichter, so daß die Kerzen trotzdem fest sitzen. Welche Zündkerze für welche Betriebsbedingungen des Rollers in Frage kommen, ist nicht immer einfach zu sagen,  bei Bedarf werden die Erfahrungen mit Witterung, Kraftstoff, Öl und Betriebsbedingungen ein Abweichen von den üblichen 240 ergeben .

Meiner (leider noch geringen) Erfahrung nach kann ich die Bosch W240, bzw. W4 empfehlen, die bisher problemlos zu funktionieren scheint.

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