Funktion des Fahrwerks

Die Feder

Die Feder ist dazu da, das Fahrwerk immer wieder in den Grundzustand zurückzuführen. Fährt das Motorrad über einen Stein, federt das Fahrwerk ein, danach ist die Feder zuständig, das Rad wieder zurück zu stossen. Fährt das Motorrad über eine fallende Stufe, federt das Fahrwerk aus, danach ist die Gewichtskraft des Motorrads grösser als die Federkraft, so dass das Fahrwerk wieder einfedert bis Gewichtskraft und Federkraft gleich gross sind. Die Federhärte gibt an, wie schnell ein Fahrwerk reagiert. Ist die Feder zu hart, reagiert das Fahrwerk zu schnell und kann leicht den Bodenkontakt verlieren, ist sie zu weich, ist das Fahrwerk zu langsam so dass das Motorrad nicht genügend schnell auf kommende Hindernisse bereit ist.
Ein schwererer Fahrer braucht eine härtere Feder, damit sie genügend Kraft hat die grössere Masse genügend schnell zurück zubewegen. Bei einem leichteren Fahrer entsprechend Umgekehrt.
Ein Fahrwerk, welches nur mit Federn realisiert würde, wäre nicht tauglich, da die Energie eines Schlages nicht geschluckt würde, sondern nur in der Feder zwischengespeichert wäre. Diese gespeicherte Energie würde an das Motorrad weitergegeben. Ein Motorrad ohne Stossämpfer würde hüpfen wie ein Gummiball.


Die Dämpfung

Die Dämpfung bremst Fahrwerksbewegungen. Langsame Bewegungen werden kaum gebremst, schnelle dafür umso heftiger. Bodenunebenheiten werden im Dämpfer geschluckt (nicht in der Feder).
Dämpfer sind meist wie folgt aufgebaut: Ein Kolben drückt Oel durch kleine Bohrungen, was einen geschwindigkeitsabhängigen Widerstand hervorruft. Das Einfedern wird schwächer gedämpft als das Ausfedern,damit ein Schlag schnell aufgefangen wird, ohne dass viel auf den Fahrer übertragen wird. Dies wird mittels Ventilen realisiert, welche je nach Flussrichtung des Oels verschieden grosse Bohrungen freigeben. Mit zunehmender Geschwindigkeit des Oels wächst aber der Widerstand quadratisch. D.h. bei doppelter Einfedergeschwindigkeit wird die Dämpfkraft viermal so gross. Billige Motorräder verwenden solche Dämpfungen. Diese Töffs fühlen sich an wie Schaukelpferde, da die langsamen Fahrwerksbewegungen nur ungenügend gedämpft werden. Ein harter Schlag wird trozdem brutal auf den Fahrer übertragen, weil schnelle Fahrwerksbewegungen zu stark gebremst werden.
Moderne Dämpfer weisen deshalb zusätzliche Bohrungen auf, die mit den Shims verschlossen sind. Diese Shims sind aus Federstahl und werden mit zunehmendem Oeldruck von den verschlossenen Bohrungen weggebogen, so dass dem Oelfluss ein grösserer Querschnitt zur Verfügung steht. Die Shims werden zu einem Stapel zusammengefasst den man aus verschiedenen Shims zusammenstellen kann. Die Shims unterscheiden sich in Materialstärke und Durchmesser. Mit dieser Zusammenstellung kann man die Dämpfung in den verschieden Geschwindigkeitsbereichen einstellen.

Die Grundeinstellung kann man von aussen mit einem Schraubenzieher einstellen, man bewegt damit ein Nadelventil, das eine Bohrung mehr oder weniger verschliesst. Dies ist fürs Ausfedern (Zugstufe) und Einfedern (Druckstufe) separat. Man spricht hier von der Grunddämpfung oder von der langsamen Dämpfung.
Ueber die Shims wird die schnelle Dämpfung eingestellt.


Die Gabel
Folgendes Bild zeigt einen Schnitt durch eine Gabel (Kayaba)
Korrektur Die Kayaba Gabel ist eine Upside down Gabel mit einem Cartridge-Dämpfer. Upside down bedeuted, dass sich das äussere, dickere Gabelrohr oben an der Gabelbrücke befindet während das innere Rohr unten ist. Bei einer konventionellen Gabel ist dies gerade umgekehrt. Beide Bauarten haben ihre Vor- und Nachteile. Viel entscheidender auf das Fahrverhalten ist der innere Aufbau oder allenfalls noch der Durchmesser. Ein grosser Durchmesser der Gleitrohre (inneres Rohr) ergibt eine verwindungssteiffere Gabel aber das Ansprechverhalten wird schlechter, da die grösseren Dichtungen auch mehr Reibung verursachen.
Cartridge-Dämpfer bedeuted, das sich im innern der Gabel ein separates Kolben-Zylinder-System befindet, die Kartouche oder Dämpferpatrone.
Die Gif-Animation weiter unten zeigt, wie sich die Bestandteile bewegen und wie das Oel fliesst. Dunkelgrau bedeuted: Raum mit erhötem Druck.
Für die Druckstufe (Dämpfung beim Einfedern) ist das Bodenventil zuständig:
Wenn der Kolben sich in die Patrone hineinbewegt, wird der Raum über dem Kolben grösser, also muss Oel von unten nach oben durch das Kolbenventil strömen. Dort öffnet sich das Rückschlagventil, damit das Kolbenventil dem Oelfluss keinen Widerstand bietet. Die in die Patrone fahrenden Kolbenstange verdrängt Oel im Zylinder, dadurch steigt der Druck in der ganzen Patrone. Das Oel entweicht nun durch das Bodenventil aus der Patrone, welches in dieser Flussrichtung Widerstand bietet und so die Einfederbewegung dämpft. Das Oel fliesst bei langsamen Bewegungen nur neben der Einstellschraube durch. Bei schnelleren Bewegungen steigt der Druck in der Patrone, welcher die Shims des Bodenventils nach unten drückt, was zusätzlichen Querschnitt für den Oelfluss freigibt.
Für die Zugstufe (Dämpfung beim Ausfedern) ist das Kolbenventil zuständig:
Der Kolben bewegt sich in der Patrone nach oben. Die aus der Patrone fahrenden Kolbenstange gibt wieder Volumen frei. Das Oel strömt durch das geöffnete Rückschlagventil des Bodenventils in die Patrone. Der Raum über dem Kolben wird kleiner, dadurch steigt der Druck über dem Kolben, so dass das Oel durch eine Bohrung die Kolbenstange hoch fliesst. Die Einstellschraube der Zugstufe reguliert diesen Fluss, indem sie bestimmt, wie weit ein im inneren der Kolbenstange geführtes Rohr die Bohrung beim Kolbenventil freigibt. Bei schnelleren Hubbewegungen drückt der höhere Druck im oberen Teil der Patrone zusätzlich die Shims des Kolbenventils nach unten, so dass zusätzlich Oel in den Raum unterhalb des Kolbens strömen kann.

Animation der Gabelbewegungen:

Korrektur Grundsätzlich sind alle geländesporttauglichen Gabeln ähnlich aufgebaut, denoch gibt es Unterschiede. Können Druck- und Zugstufe oben eingestellt werden, dafür nur je eines pro Holm, dann hat das Bodenventil keine Bohrung mit Nadelventil. Beim Holm wo die Druckstufe eingestellt werden kann, mündet die Bohrung, die in die Kolbenstange führt, in den Raum unterhalb des Kolbenventils.
Neuere Gabeln haben ein geschlossenes Cartridge: Das Oel in und ausserhalb der Patrone sind getrennt, was den Vorteil hat, dass Luft im Holm nicht in die Patrone gelangen kann und so eine konstante Dämpfung garantiert ist.
Marzzochi baut eine Gabel, die nicht nur Geschwindigkeitsabhängig dämpft, sondern auch Wegabhängig: Seitliche Bohrungen in der Patrone werden durch den Kolben mehr oder weniger freigegeben, so dass die Dämpfung im eingefederten Bereich stärker wirksam ist als im ausgefederten.
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© 2000 Mail : Michael.Zaugg@spectraweb.ch
Erstellt: 23-apr-99 von Michael Zaugg